Im Rahmen des Geschichtsunterrichts unternahm die Klasse 4a der SMS Schendlingen eine Exkursion ins Jüdische Museum Hohenems sowie auf den dortigen Jüdischen Friedhof.
Im Museum wurden wir von der Kulturvermittlerin Samantha Loser in Empfang genommen und durch die Dauerausstellung geführt. Diese vermittelt die spannende Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hohenems von ihren Anfängen im Jahr 1617 unter Graf Kaspar bis zu ihrer systematischen Vernichtung unter dem nationalsozialistischen Regime. Anhand von exemplarischen Einzelschicksalen und historischen Persönlichkeiten wurde die Geschichte für die Schüler:innen greifbar und lebendig.
Die jüdische Gemeinde als Motor der Regionalgeschichte
Ein besonders wichtiger Aspekt der Ausstellung war die Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Modernisierung und Industrialisierung Vorarlbergs. Die Schüler:innen erfuhren, dass die jüdische Bevölkerung – trotz anfänglicher rechtlicher Einschränkungen – zu einem zentralen Motor des wirtschaftlichen Aufstiegs der Region wurde. Insbesondere im Textilsektor leisteten jüdische Unternehmer Pionierarbeit: Durch den Aufbau moderner Fabriken, weltweite Handelsbeziehungen und innovative Produktionsmethoden prägten sie die Textilindustrie im Rheintal maßgeblich. Familien wie die Rosenthalers oder Herzfelds schufen nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern legten den Grundstein für den Wohlstand der gesamten Region.
Ein Mahnmal gegen Ausgrenzung und Verrohung
Besonders eindrücklich und bedrückend war für die Klasse die Auseinandersetzung mit der schrittweisen Radikalisierung der Gesetzgebung im Nationalsozialismus, die auf den systematischen Ausschluss und die Dehumanisierung der jüdischen Bevölkerung abzielte. In Zeiten, in denen in gesellschaftlichen und politischen Debatten eine zunehmende Verrohung der Sprache zu beobachten ist und ausgrenzende Begrifflichkeiten wieder Einzug in den Alltag finden, zeigt sich der unschätzbare Wert dieser historischen Aufarbeitung. Es ist ein dringendes Mahnmal für heutige und künftige Generationen: Demokratische Werte müssen verteidigt werden, denn Geschichte darf sich nicht wiederholen.
Kulturelle Einblicke auf dem jüdischen Friedhof
Der anschließende Besuch des jüdischen Friedhofs bot tiefe Einblicke in die jüdischen Bestattungs- und Glaubensvorstellungen. Hier wurde noch einmal deutlich, wie grausam und weitreichend die Verbrechen der Nationalsozialisten waren, die selbst die Totenruhe missachteten. Im jüdischen Glauben gilt die Überzeugung, dass bei der Wiederauferstehung Körper und Seele eine Einheit bilden, weshalb das Grab bis zum Jüngsten Tag unberührt bleiben muss. Die Zerstörungen und Schändungen der Friedhöfe stellten daher einen tiefen Eingriff in die religiöse Identität der Menschen dar.
Wir danken dem Jüdischen Museum Hohenems für die wertvolle Arbeit. Das Museum leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung und zur Vermittlung unserer Regionalgeschichte.
Eindrücke von der Exkursion sind in der Bildergalerie zu finden.
